Vorbeugender und konstruktiver Explosionsschutz nach ATEX

Darstellunge eines Brandes

Brandschutz zählt nicht zum
ATEX Regelwerk


Im Gegensatz zum Themenkreis Explo-
sionsschutz ist der Brandschutz gesetz-
lich nicht klar geregelt.

Deshalb ist der Betreiber aufgefordert,
über den Umfang genereller oder spezi-
fischer Brandschutzmaßnahmen und die
Anwendung von Regelwerken selbst zu
entscheiden.

DIN EN 13478
Sicherheit von Maschinen – Brandschutz

VDI 2263 Blatt 6
Brand- und Explosionsschutz an Entstau-
bungsanlagen

VDS 3445
Brandschutz an Entstaubungsanlagen

Latente Brandgefahr an Entstaubungs-
anlagen


Besonders gefährdet sind Entstaubungs-
anlagen mit überwiegend trocken wirken-
der Filtertechnik. Staubexplosionen kön-
nen zu Brandentwicklungen führen. Dieser
Zusammenhang ist bei allen Schutzkon-
zeptionen für Entstaubungsanlagen zu
beachten.

Doch Staubbrände können auch ohne
Explosionseinwirkung entstehen.

Typisch sind unbeachtete Staubablage-
rungen, die sich durch Wärmeentwicklung
entzünden und zu Glimmbränden oder
Flammenentwicklung führen.

Leicht brennbare Stoffe sind dabei beson-
ders zu beachten.

Selbst kleinste Glimmbrände in der Ver-
rohrung oder auf einem Filterelement ver-
löschen selten, da sie durch die hohen
Luftströme der Entstaubungsanlage stän-
dig angefacht werden.

Glimmbrände und Flammen kommen
ihrerseits als latente Zündquelle für
Staubexplosionen in Frage.

Besonders Metallstäube führen häufig
zu Schadensfällen



Die Erfahrung zeigt, dass metallische
Stäube annähernd doppelt so häufig zu
Bränden führen wie organische Stäube.

Diese Beobachtung durch Keller wird
gestützt durch eine nicht repräsentative,
jedoch industrieweit durchgeführte Unter-
suchung. Funkeneintrag und Selbstent-
zündung wurden als häufigste Zündquelle
genannt.

Die Zündquellen entsprechen im Wesent-
lichen den Explosionszündquellen.

Grafik: Voraussetzung für Staubbrände

Die Brennkenngrößen verschiedenster
Stäube können der Staubdatenbank
GESTIS-STAUB-EX entnommen werden.

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Organisatorische Maßnahmen


Der Betreiber einer Entstaubungsanlage
ist für die Anlagensicherheit verantwort-
lich.

Gemäß den einschlägigen Vorschriften
(ArbSchG, BetrSichV, GefStoffV etc) ist
eine Beurteilung der Gefährdung zu
dokumentieren (Betriebsanweisung).

Auch sind die Prozessparameter auf Ver-
änderungen gegenüber der Auslegungs-
phase und die Einhaltung der bestim-
mungsgemäßen Verwendung zu über-
prüfen. Gegebenenfalls sind entspre-
chende Maßnahmen einzuleiten.

 

Ist eine Brandgefährdung nicht auszu-
schließen, sind folgende Maßnahmen
sicherzustellen:

– Nur eingewiesene, befugte Personen
dürfen Arbeiten an der Entstaubungsan-
lage durchführen.

– Das Bedienpersonal muss mit allen Be-
triebszuständen, insbesondere mit denk-
baren Abweichungen vom Normalbetrieb
vertraut sein. Es muss Kenntnis haben von
den installierten Brandschutzeinrichtun-
gen und über die Notwendigkeiten im
Brandfall.

– Die Feuerwehr ist über die evtl. Brand-
gefahr in der Entstaubungsanlage und
über die installierten Brandschutzeinrich-
tungen zu informieren.
Ebenso ist das Vorgehen im Brandfall
abzustimmen.

Betriebsanweisungen


Folgende Maßnahmen sollten u. a. in der
Betriebsanweisung berücksichtigt sein:

– Absolutes Rauchverbot in brand- und
explosionsgefährdeten Bereichen.

– Das Verhindern des Eintrags von
Zündquellen wie Zigarettenkippen und
leicht brennbaren Materialien (wie Putz-
lappen …).

– Der Staubsammelbehälter ist ent-
sprechend dem Staubanfall regelmäßig
zu entleeren.

– Staubanhäufungen (Ablagerungen) sind
zu vermeiden.

– Heißarbeiten dürfen nur unter den not-
wendigen Vorsichtmaßnahmen durch-
geführt werden (u. a. Richtlinie VdS 2008
„Schweiß-, Schneid,- Löt- und Trenn-
schleifarbeiten“).

– Inspektionen, Wartung und Instand-
setzung sind entsprechend den Herstel-
lerangaben durchzuführen und zu doku-
mentieren.

Brand-Schutzausführung B

(Technisch/organisatorisch)

In Entstaubungsanlagen der Ausführung
B kann der Brandschutz durch technische
und organisatorische Maßnahmen zur
Verhütung von Bränden gewährleistet
werden.

Maßnahmen

Funkenvorabscheider
(an Werkzeugmaschinen)

Funkenerkennung

Funkenlöschung

Erdung

Schwer entflammbares Filtermedium

Brand-Schutzausführung C

(Schadensbegrenzung)

Maßnahmen


Unterbrechung der Rohgaszufuhr für die
Abreinigung der Filter in Entstaubungs-
anlage

Branderkennung rohgasseitig
durch Wärmemaximalmelder

Branderkennung reingasseitig
durch Wärmemaximalmelder oder opti-
schen Rauchmelder, in Rohrleitung durch
Funkendetektor

Manuelle Löschung/halbstationäre
Löschanlage für Wasserlöschung

Manuelle Löschung mit Pulver oder Gas
durch Löschöffnung in Staubabscheider-
front (z. B. TR-1)




Ergänzend zu den Maßnahmen zur Brand-
verhütung erhalten bei dieser Ausführung
die Maßnahmen zur Schadensbegren-
zung besondere Bedeutung:

Automatische stationäre Löschanlage
für CO2 Löschung
(mit Löschmittelbehälter)
Sensorik

Absperrklappen mit Stellmotoren bzw.
pneumatisch aktiviert
rohgasseitig, dicht schließend
reingasseitig mit 3% Zwangsöffnung

Organisatorische Maßnahmen:
z. B. Befugnis zur Arbeit an der Entstau-
bungsanlage

Klärungshilfe
Brandschutzmaßnahmen (PDF)

Umfassend klären
und umsichtig handeln


Beim Brandschutz sind auch die peri-
pheren Bereiche von Entstaubungs-
anlagen von großer Wichtigkeit. Denn
schon die Aufwirbelung einer relativ
geringen Staubablagerung kann zu
einer entzündlichen Atmosphäre führen.

Bei der Konzeption zentraler Entstau-
bungsanlagen müssen besonders die
Durchtritte durch verschiedene Brand-
abschnitte speziell beachtet werden.